Aschaffenburg

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Auf dem heutigen Wolfsthalplatz befindet sich eine Gedenkstätte für die Aschaffenburger Synagoge, die in den frühen Morgenstunden des 10. November in Flammen aufgegangen war. Mitglieder des SA-Pioniersturms waren in das Gotteshaus eingedrungen und hatten es angezündet. Für 35 Jahre war der im maurischen Stil erbaute Bau das Zentrum des jüdischen Lebens und Ausdruck des Selbstbewusstseins der Gemeindeglieder. Am Rand des Wolfsthalplatzes befindet sich in der Treibgasse das heute noch erhaltene ehemalige Rabbinats- und Schulgebäude. Der Platz entstand durch die Leerstelle durch die zerstörte Synagoge an der damaligen Entengasse. Heute erinnert ein Platanenhain an ihren Standort und eine Tafel an ihre Zerstörung. Benannt wurde der Platz nach dem Bankier Otto Wolfsthal (1870–1942). Seine Vorfahren waren seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Aschaffenburg ansässig, die Gründung des Bankhauses geht auf seinen Großvater Maier Wolfsthal zurück. 1899 trat Otto Wolfsthal in die Bank ein und führte mit seinem Onkel Oskar Dilsheimer die Geschäfte erfogreich weiter, auch nachdem sie 1905 ihre Anteile an die Bayerische Handelsbank in München verkauft hatten. Wolfsthal rief eine Reihe von wohltätigen Stiftungen ins Leben und förderte auch sonst zahlreiche soziale Zwecke, so finanzierte er unter anderem das erste öffentliche Röntgengerät in Aschaffenburg im Jahr 1915 oder unterstützte dauerhaft Kriegerfamilien mit monatlich 100 Mark. Außerdem spendete er Geld, das für die Speisung armer Kinder verwendet wurde. 1918 errichtete er aus vaterländischer Gesinnung zum „Wiederaufbau der Volkskraft nach dem Kriege“ eine Stiftung für bedürftige Wöchnerinnen in Höhe von 50.000 Mark. 1933 nahm Wolfsthal die Möglichkeit nicht wahr, nach Luxemburg oder Frankreich auszuwandern. Seine Frau und er verstanden sich selbstverständlich als Deutsche, eine Auswanderung war für sie gleichbedeutend mit einem Schuldbekenntnis. So erhielt das Ehepaar im September 1942 schließlich den Deportationsbefehl. Zusammen mit insgesamt fünf anderen Verwandten und Freunden entschlossen sie sich, zwei Tage vor dem Deportationstermin ihrem Leben ein Ende zu setzen und vergifteten sich mit dem Schlafmittel Veronal. Neben Otto und Maria Hedwig Wolfsthal waren es Babette Dilsheimer, die Witwe von Oskar Dilsheimer, der Kaufmann Max Levi, die ledige Ida Hamburger, die Hausgehilfin Lina Isaac sowie die Kaufmannswitwe Emma Trier. Alle waren zwischen 63 und 77 Jahre alt und hatten erlebt, wie bei der ersten Deportation Freunde und Bekannte ohne weitere Lebenszeichen verschwunden waren. Selbst der letzte Wille des Ehepaars Wolfsthal, auf dem Altstadtfriedhof beerdigt zu werden, wurde ihnen nicht erfüllt. Nach dem Krieg hat die Stadt Aschaffenburg ihnen einen gemeinsamen Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof „am Erbig“ setzen lassen. 1984 wurde der Platz der ehemaligen Synagoge zum Wolfsthalplatz umgestaltet und erinnert mit seinem Namen an den Bankier und Wohltäter der Stadt.

Zum Museum jüdischer Geschichte und Kultur.