Augsburg

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Nur wenige Jahrzehnte alt war der neue Synagogenkomplex in der Halderstaße, als SS-Horden sich  am 10. November 1938 gegen ein Uhr Zutritt verschafften. Ein stattlicher Bau war nach einem Architektenwettbewerb in den Jahren 1913-1917 entstanden. Die Wohnungen für die Angestellten der Gemeinde und die Räume des Gemeindezentrums waren in die Gebäude integriert, das Selbstbewusstsein und den Wunsch nach Akzeptanz ausdrückte. Die 20 bis 30 jungen Männer versuchten, all das auszulöschen. Mit Stangen, Äxten und Knüppeln bewaffnet verwüsteten sie die Büroräumen, vernichteten Akten und Dokumente und kappten die Telefonleitung. Nach dem Gemeindezentrum zerstörten sie den Innenraum der Synagoge, zerschlugen Leuchter und Inneneinrichtung, plünderten und schändeten Kultgegenstände, darunter auch Torarollen und andere heilige Bücher. Rauch drang nach außen, obwohl die SS angeordnet hatte, kein Feuer zu legen. Als gegen vier Uhr der Synagogenkommissar und Friedhofsvorsteher der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg, Albert Dann, eintraf, war bereits die Feuerwehr vor Ort und löschte den Schwelbrand. Gerettet hat den Bau die Tatsache, dass sich in unmittelbarer Nähe ein Tanklager befand und deshalb ein Feuer an der Synagoge zu gefährlich war. Doch neben der geschändeten und verwüsteten Synagoge wurden am 10. November zahlreiche Juden verhaftet und verhört, Wohnungen und Häuser durchsucht, in denen jüdische Familien lebten. Rabbiner Ernst Jacob wurde mit etwa 150 Gemeindemitgliedern zuerst in Augsburg inhaftiert und danach nach Dachau verschleppt. Mehr als einen Monat blieben sie dort im Konzentrationslager gefangen, viele kamen ums Leben.

Am Tag nach der Zerstörung wurden jüdische Gefangene gezwungen, Gebetsmäntel, Bücher und Torarollen aus der Synagoge zu holen und auf Lastwagen zu verstauen. Dabei mussten sie Zylinder aufsetzen und sich Gebetsmäntel umhängen. Die Kohlevorräte im Keller des Synagogenkomplexes mussten sie heraufholen und im ehemaligen jüdischen Altersheim in der Frohsinnstraße wieder entladen.

Ab Anfang 1939 feierte die Gemeinde Gottesdienste in der Synagoge in Kriegshaber, im Gebäudekomplex in der Halderstraße wurden nun unter anderem Bedürftige versorgt. Hier konnten sie auch unterkommen, nachdem alle Juden von den staatlichen Wohlfahrtslisten gestrichen worden waren.

Von den 1200 jüdischen Augsburgern, die vor 1933 in der Stadt gelebt hatten, wurden 613 von den Nationalsozialisten ermordet, etwa 560 hatten sich ins Ausland retten können.

Am 1. September 1985 konnte die Hauptsynagoge wieder eingeweiht werden, 60 Überlebende aus Augsburg feierten mit. Heute hat die jüdische Gemeinde wieder einen eigenen Rabbiner, und durch die russischen Kontingentflüchtlinge ist die Gemeinde auf etwa 1600 Personen angewachsen, die in ganz Schwaben leben.

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