Bad Kissingen

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Mit gut 500 Gemeindegliedern zählte die jüdische Gemeinde in Bad Kissingen in den 1920er Jahren zu den zehn größten jüdischen Gemeinden Bayerns, seit 1939 war sie Sitz eines Distriktsrabbinats. Ihre 1902 gebaute wuchtige Synagoge in der Maxstraße (heute Synagogenplatz) zeigte mit ihrem neoromanischen Stil Patriotismus und Heimatverbundenheit. Nachdem sie beim Novemberpogrom schwer beschädigt worden war, beschloss der Stadtrat im April 1939, sie endgültig abbrechen zu lassen. Seit 2002 erinnert eine Gedenktafel an ihren ehemaligen Standort, eine Computerrekonstruktion in der Dauerausstellung „Jüdisches Leben in Bad Kissingen“ im jüdischen Gemeindehaus in der Promenadenstraße gibt seit 2007 einen plastischen Eindruck vom einstigen Aussehen der zerstörten Synagoge.

Die allermeisten jüdischen Bad Kissinger lebten bis Anfang der 1930er Jahre vom Fremdenverkehr bzw. vom Kurbetrieb in der Bäderstadt, sei es in der Gastronomie oder Hotellerie, sei es mit ihren Geschäftsbetrieben oder als Ärzte in Kurkliniken und -bädern. Juden prägten das städtische Leben als Mitglieder im Stadtrat, im Kurverein und anderen Vereinen und Verbänden entscheidend mit. Im Jahr 1905 hatte Distriktsrabbiner Isaak Seckel angeregt, eine „Israelitische Kinderheilstätte“ zu gründen. Sie bot 68 Plätze für eine nahezu kostenlose ärztliche Versorgung kranker Kinder aus jüdischen Familien aus dem gesamten deutschen Reich, die sich eine normale Kur mit eigenen Mitteln nicht leisten konnten. Das starke soziale Engagement der jüdischen Gemeinde in Bad Kissingen dokumentiert neben einem Wohltätigkeitsverein auch die Gründung eines Verein „Israelitisches Kurhospiz e.V.“, ebenfalls im Jahr 1905, der das Ziel verfolgte, minderbemittelten Kurbedürftigen eine entsprechende Heilmaßnahme zu ermöglichen. Anfang der 1930er Jahre konnte das Kurhospiz mit 39 Plätzen eröffnet werden.

Nach der Vernichtung oder Vertreibung der jüdischen Kissinger im „Dritten Reich“ erlosch die jüdische Gemeinde. Zwei jüdische Familien leben heute in Bad Kissingen, und mit dem Kurheim Eden-Park bietet die Bäderstadt derzeit die einzige Kureinrichtung in Deutschland mit koscherer Küche. Wenn in den Sommermonaten für einen Minjan (zehn religionsmündige, also mindestens 13 Jahre alte Männer) ausreichend jüdische Kurgäste am Ort sind, werden in dem 1995/1996 restaurierten Betsaal im ersten Stock des Gemeindehauses Gottesdienste gefeiert. In Erinnerung an den langjährigen Kantor trägt er den Namen „Josef-Weissler-Synagoge“.

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