Bayreuth

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Die Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde in Bayreuth befindet sich an einem sinnfälligen Ort: Das Gebäude an der Münzgasse grenzt passenderweise für die Richard-Wagner-Stadt an das Opernhaus an. Markgraf Friedrich erlaubte 1759 dem Hofbankier und Münzlieferanten Moses Seckel, das alte Komödienhaus neben dem wenige Jahre zuvor erbauten markgräflichen Opernhaus zu kaufen, um hier eine Synagoge zu bauen. Seckel kaufte den Gebäudekomplex und ließ noch im selben Jahr das Hinterhaus zur Synagoge umbauen, das bis heute der jüdischen Gemeinde als Gemeindezentrum und Betraum dient. Bereits im 19. Jahrhundert bekamen die Bayreuther Juden wiederholt judenfeindliche Ausfälle zu spüren. Das war das Klima, in dem sich die antisemitischen Ausfälle Richard Wagners entwickelten. Sein Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain, der mit der Ehrenbürgerschaft in Bayreuth geehrt wurde, gilt als einer der Vorbereiter der nationalsozialistischen Ideologie, nationalsozialistische und deutsch-völkische Politiker genossen die Gastfreundschaft der Familie. Die Bayreuther Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wehrte sich 1919 in einer öffentlichen Kontroverse gegen Verleumdungen und anonyme Hetze des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes. Doch setzten sich in Bayreuth die antisemitischen Kräfte durch, unterstützt von den wiederholten Bayreuth-Besuchern Julius Streicher und Adolf Hitler. So ereignete sich der erste Boykott jüdischer Geschäfte in Bayreuth schon im Dezember 1932, also gut vier Monate vor dem reichsweiten Aprilboykott. Viele Juden verließen daher Bayreuth, sodass zur Zeit des Novemberpogroms nur noch vier Geschäfte in jüdischem Besitz existierten, die jedoch Anfang Dezember aber „arisiert“ wurden. Die verbliebene jüdische Bevölkerung Bayreuths wurde in „Judenhäusern“ zusammengelegt und 1941 und 1942 nach Theresienstadt und andere Konzentrationslager deportiert. Lediglich die Bayreuther Juden, die mit einem christlichen Partner in einer so genannten Mischehe lebten, wurden vor diesem Schicksal bewahrt. Sie wurden ab Ende 1944 zur Zwangsarbeit verschleppt. Unter ihnen waren auch der spätere Bayreuther Stadtrat Justin Steinhäuser und der Kinderarzt Karl Beck. Nach dem Krieg wurde die Synagoge im Jahr 1946 ein erstes Mal renoviert und von der meist aus Rückkehrern oder „Displaced Persons“ bestehenden Gemeinde wieder zum Gottesdienst genutzt. In den 1960er Jahren wurde das Synagogengebäude grundlegend umgebaut und wird so von der derzeit rund 500 Personen großen jüdischen Gemeinde genutzt.

http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/387.html?synagogueId=14