Bechhofen

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Als das „eigenartigste, auch einzigartigste Gotteshaus“ in ganz Deutschland beurteilte der aus Litauen stammende Max Jankelowitz die Synagoge in Bechhofen, wo er in den Jahren 1925/1925 als jüdischer Lehrer arbeitete. Bereits 1684 war das nach außen unscheinbare Fachwerkgebäude errichtet worden, das der aus Galizien stammende Künstler Elieser Sussmann um 1732 ausgestaltete und so zu dem einzigartigen Gotteshaus machte. Ihm wird auch die Gestaltung der Betsäle in Horb am Main, Unterlimpurg bei Schwäbisch Hall, Kirchheim bei Würzburg zugeschrieben, eventuell gehen auch Malereien in den Synagogen von Colmberg und Georgensgmünd auf ihn zurück. Sussmann bemalte die mit Brettern verkleideten Tonnengewölbe und Wände vollständig mit Pflanzen- und Tiermotiven, aber auch mit religiösen Themen wie dem himmlischen Jerusalem sowie ganze Felder mit hebräischen Texten. Zum Teil wiederholen sie sich, was den Rückschluss erlaubt, dass Sussmann vielleicht mit Vorlagenbüchern gearbeitet hat. Die meisten Texte ergeben zusammen eine Art gemaltes Gebetbuch. Manchmal nahmen die Texte direkt Bezug auf den Standort: So fand sich an der Südwand auf Höhe der achteckigen Bima neben dem siebenarmigen Leuchter und dem Psalm 67 ein Gebet für den Landesherrn Bechhofens, Markgraf Karl Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Ansbach, der zur Zeit der Gestaltung Sussmanns regierte. Nach Aussagen von Jerry G. Bechhofer, der 1935 seine Bar Mizwa in der Bechhofer Synagoge feierte, wurden die Gebete und Psalmen von den Wänden regelrecht abgelesen, sodass die Bechhofer sie fast alle auswendig wiedergeben konnten. Da das Synagogengebäude am Ende des 19. Jahrhunderts baufällig war, wurde der bisher in Fachwerkbauweise gehaltene und einsturzgefährdete Westgiebel in Massivbauweise ausgeführt. Nach längeren Verhandlungen über die Finanzierung konnten im Jahr 1914 Sussmanns Malereien restauriert werden, nachdem sich der bayerische Staat bereit erklärt hatte, die Kosten zu übernehmen. Als sich unter dem Druck der Nationalsozialisten die jüdische Gemeinde in Bechhofen im Jahr 1938 auflöste, sorgte sich das Landesamt für Denkmalpflege um den Erhalt des „einzigartigen Denkmals in Bayern“. Es wies auf die Bedeutung der Malereien hin, die „sicher nicht jüdischen Ursprungs“ seien, sondern im Zusammenhang „mit den ausgemalten Holzkirchen des Nordens“ stünden. So sollte der Kultusvorsteher im August die Synagoge dem Land Bayern verkaufen, damit die Synagoge möglicherweise in einem bayerischen Museum aufgebaut würde. Doch dazu kam es nicht mehr. Obwohl die letzten Bechhofer Juden den Ort bereits verlassen hatten und das Landesamt für Denkmalpflege den Erhalt der Synagoge anstrebte, wurde sie früh am 10. November auf Geheiß der zuständigen NSDAP-Kreisleitung Feuchtwangen niedergebrannt. Der Grund der ehemaligen Synagoge blieb unbebaut und wurde 1988 als Gedenkstätte ausgebaut. Im Jahr 2001 erstellten Schüler und Lehrer der Staatlichen Berufsschule Rothenburg-Dinkelsbühl ein Modell der Synagoge im Maßstab 1:10, das eine plastische Vorstellung dieses besonderen Gebäudes ermöglicht. Mithilfe von überlieferten Fotos und Zeitzeugenaussagen konnte die Bechhofer Synagoge im Jahr 2007 digital wieder mit Innen- und Außenansichten visualisiert werden.

Zur virtuellen Rekonstruktion der Bechhofer Synagoge: http://www.nurinst.org/nurinst_org/proj_bechhofen.htm