Coburg

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

In der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung“ wunderte sich im Jahr 1929 der Coburger Prediger Hermann Hirsch darüber, dass in einer alten Kapelle, der Kirche zu St. Nikolaus, die Synagoge der Coburger Juden zu finden sei. Zu diesem Zeitpunkt feierten die Coburger Juden schon seit fast 60 Jahren ihre Gottesdienste in der Kapelle, die die Stadt Coburg der jüdischen Gemeinde unentgeltlich zur Nutzung als Synagoge zur Verfügung gestellt hatte. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts feierte die „Allgemeine Zeitung des Judentums“ diese Entscheidung als „That der reinsten Humanität und Toleranz“. Und tatsächlich war eine Synagoge in einer ehemaligen Kirche eine Besonderheit, die der Volksmund „Judenkirche“ nannte. Die Stadt legte lediglich eine Bedingung für die Überlassung fest, die mit einer vierteljährlichen Frist gekündigt werden konnte: Die jüdische Gemeinde müsse „das Gebäude und alles übrige in gutem baulichen Zustande erhalten“. Die jüdische Gemeinde nahm sogleich Umbauten und Renovierungsarbeiten vor, die für ihren gottesdienstlichen Gebrauch notwendig waren: So wurden die Wände ausgebessert und bemalt sowie Bänke, Kanzel, Orgel, Türen, Fenster, Empore und Decke mit Ölfarbe gestrichen. In den barocken Altaraufsatz wurde anstelle des Altarblatts der Toraschrein eingesetzt, aus dem christlichen Altar entstand die Bima, das Pult, auf dem die Tora vorgelesen wurde. Danach wurde die schadhafte Orgel ausgetauscht und durch ein Harmonium ersetzt. Wenige Jahre später wurde die Frauenempore vergrößert. Die Synagoge musste noch mehrere Male umgebaut und erweitert werden, um den Ansprüchen der wachsenden Coburger Gemeinde zu genügen.

1932 wurde der jüdischen Gemeinde allerdings das Nutzungsrecht von der Stadt Coburg gekündigt, die 1931 als erste deutsche Stadt einen Nationalsozialisten zum Bürgermeister wählten. Der Stadtrat schob bei seinem Kündigungsbeschluss vom September 1932 einen angeblichen Bedarf der evangelischen Kirche vor. Nachdem aber die jüdische Gemeinde einen Prozess gegen die Kündigung anstrengte, legte der von der Stadt beauftragte Anwalt den wahren Grund offen und gab an, „daß der Stadtrat einer Deutschen und christlichen Stadt es unmöglich verantwortworten kann, eine christliche Kirche den Juden weiterhin zu überlassen“.

Heute nutzt die altkatholische Gemeinde die Nikolauskapelle. An deren frühere Nutzung als Synagoge erinnert heute ein Relief aus dem 18. Jahrhundert in der Vorhalle der Kapelle. Es stammt aus der Autenhausener Synagoge und gelangte nach dem Ende der Gemeinde im Jahr 1924 nach Coburg, wo der Stein wahrscheinlich an der Nordseite im Inneren der Apsis eingemauert war. Nachdem das Relief dort kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs entfernt und nach dem Krieg bei Kanalarbeiten vor der Kapelle wiedergefunden wurde, lag es lange Zeit auf dem Fußboden, bis es im Jahr 2005 an der Südwand der Vorhalle eingemauert wurde. Das Relief zeigt zwei Löwen, die einen Lorbeerkranz halten mit der hebräischen Inschrift: „Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit, damit ich in sie eintrete und Gott Dank sage.“

http://www.sanktnikolauscoburg.de/geschichte.htm