Floß

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Nur wenige Kilometer trennen den oberpfälzischen Martk Floß vom ehemaligen Konzentrationslager Flossenbürg. Beide Orte waren Schauplätze jüdischer Geschichte: Für mindestens 30.000 Menschen bedeutete die Deportation in das Konzentrationslager oder eines seiner Außenlager das Todesurteil. Daruner waren vor allem „politische“ Häftlinge, ab Mitte 1944 aber auch polnische und ungarische Juden. Zu diesem Zeitpunkt galt Floß schon eineinhalb Jahre als „judenfrei“.

Die restaurierte farbenfrohe achteckige Synagoge auf dem Judenberg in Floß setzt der fast 300 Jahre dauernden jüdischen Vergangenheit der Marktgemeinde ein Denkmal, gelegentlich finden hier auch Gottesdienste statt. Betreut wird die Synagoge von der jüdischen Gemeinde in Weiden.

Nach dem gewaltsamen Ende der ersten jüdischen Gemeinde von Floß im Jahr 1942 bildete sich aber für kurze Zeit noch einmal eine jüdische Gemeinde. Wie an vielen anderen Orten in Bayern bereiteten sich Überlebende aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern, so genannte Displaced Persons (DPs), auf ihre Auswanderung vor. In dieser wenige Jahre dauernden Phase blühte noch einmal jüdisches Leben auf. In Floß entstand eine etwa 90 Personen umfassende jüdische Gemeinde aus DPs. Diese verließen die Marktgemeinde in den Jahren 1948/49, um sich im Ausland eine neue Existenz aufzubauen, vor allem in den USA und Israel. Ihre Gottsdienste feierte die Gemeinde allerdings nicht in der ehemaligen Synagoge, die beim Novemberpogrom 1938 im Inneren zerstört wurde, aber als Gebäude erhalten geblieben war. Sie richtete sich einen Betsaal in dem Haus ein, das einem der letzten zwei jüdischen Floßer Ehepaaren gehört hatte: Karoline und Hugo Wilmersdörfer. Hugo Wilmersdörfer wurde im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet, seine Frau Karoline weiter nach Auschwitz verlegt. Im dortigen Konzentrationslager verliert sich ihre Spur.

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