Heidenheim

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Im Gegensatz zur romanischem Klosterkirche, die bis heute als evangelisches Gotteshaus genutzt wird, zeugt nur wenig von der bedeutenden Synagoge und der jüdischen Gemeinde. Eine Inschrifttafel, ein Synagogenmodell, wenige Häuser, die ehemals jüdischen Familien gehörten, und eine „Judenschule“, die dem Verfall preisgegeben ist, sind die Spuren einer Gemeinde, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit 130 Mitgliedern immerhin acht Prozent der Ortsbewohner ausmachte. Trotz eindringlicher Interventionen einzelner Heidenheimer Bürger wurde die Heidenheimer Synagoge noch im Jahr 1988 abgebrochen. Nach dem Novemberpogrom war von ihr eine ausgebrannte Ruine stehengeblieben. Detaillierte Baupläne ihres Architekten Eduard Bürklein, die im Jahr 1854 sogar in der „Allgemeinen Bauzeitung“ veröffentlicht wurden, geben neben Grundriss und Schnitten auch eine perspektivische Ansicht und Details der Einrichtung wieder. Bürklein hat in derselben Zeitschrift auch erklärt, welche Vorgaben ihm die jüdische Gemeinde machte oder mit welchen konstruktiven Details er den Bau konzipierte. Vor allem beschrieb er, warum die Synagoge in einem orientalisierenden Baustil errichtet wurde. Insgesamt stellte er seinen Bau als Musterlösung für kleinere Landsynagogen vor.

Im Inneren der westlichen Vorhalle trennten sich die Wege von Frauen und Männern. Während die Frauen über zwei Treppenhäuser die Eporen erreichten, betraten die Männer den ebenerdigen Betsaal in einer Achse mit dem achtseitigen Lesepult und dem 3,50 Meter dahinter liegenden, über drei Stufen erreichbaren Toraschrein. Die Einrichtungsgegenstände im Innenraum waren aus Eichen- und Fichtenholz zusammengesetzt und dann abwechselnd ahorn- und eichenholzfarbig bemalt. In gleicherweise war auch die Frauenempore gestaltet. Die Seitenwände wurden von einem teppichartigen Muster in Violett, Grün und Gelb überzogen, das Bürkleins Vorstellungen von einem orientalischen Stil entsprachen, den er für Synagogen für charakteristisch hielt. Die Fenster waren in einer leichter ausführbaren Rundbogenform gehalten, der Hufeisenbogen bildete einen außen aufgesetzten dekorativen Rahmen und sollte ebenfalls orientalische Assoziationen wecken. Bürklein setzte als Baumeister des Historismus auf historische Lösungen für den Synagogenbau, und da er den damals verbreiteten Vorstellungen folgte, wonach die Juden ein fremdes orientalisches Volk seien, schienen ihm „orientalische Reminiscenzen“ als angemessen. Nach seinen Auffassungen musste sich eine Synagoge äußerlich deutlich von einer Kirche unterscheiden, weshalb er den gemanischen Stil (die Gotik) als ungeeignet ansah.