Kleinbardorf

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Zwei Kilometer südöstlich liegt auf einer Kuppe des Wartbergs umgeben von Laubbäumen einer der größten jüdischen Friedhöfe Bayerns. Auf über zwei Hektar Grundfläche konnten 1987 etwa 4400 Grabsteine ausgemacht werden. Die Listen der israelitischen Friedhofsverwaltung zeigen, dass jüdische Gemeinden ihre Toten aus 27 verschiedenen Orten – von Maßbach über das 30 km entfernte Oberwaldbehrungen bis zum thüringischen Gleicherwiesen – nach Kleinbardorf auf den sogenannten „Judenhügel“ brachten. Und es war eine Urkunde über diesen Friedhof, aus der hervorgeht, dass Juden dauerhaft in Kleinbardorf lebten. Die Familienchronik der Freiherren von Bibra berichtet, dass der Besitzer des Kleinbardorfer Schlossguts Georg Christof von Bibra 1574 den Kleinbardorfer Juden auf dem Wartberg eine Begräbnisstätte gegen eine jährliche Zinszahlung und eine Abgabe für jede Beerdigung überlassen. Damit zählt der jüdische Friedhof in Kleinbardorf zu den frühesten, nach dem Mittelalter angelegten Friedhöfen in Deutschland. Auf Initiative eines Einzelnen wurde am Ende des 17. Jahrhunderts etwa in der Mitte des Friedhofs ein Taharahaus errichtet, das dazu diente, die Toten vor der Beerdigung rituell zu reinigen. Heute ist das Gebäude weitgehend restauriert, dessen steinernes Dach es in Bayern zu einem einzigartigen Bauwerk seiner Art macht. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kaufte die jüdische Gemeinde den Friedhof und erweiterte ihn gleichzeitig. Seine heutige Größe bekam er durch einen weiteren Grundstückszukauf im Jahr 1843. Etwa zu dieser Zeit machte die jüdische Gemeinde ein Drittel der Kleinbardorfer Bevölkerung aus. Im Lauf des 19. und 20. Jahrhunderts nahm ihre Zahl langsam ab. Der letzte Jude, der auf dem Kleinbardorfer jüdischen Friedhof beerdigt wurde, war im Jahr 1938 Jakob Fleischhacker. Er hatte sich bei der Feldarbeit schwer verletzt und war ebenso antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt wie die Nachbarn, die ihm nach dem Unfall halfen. Die Christen, die an seinem Begräbniszug teilnahmen, unter ihnen auch der Kleinbardorfer Pfarrer, wurden daraufhin im „Stürmer“ als „Judenfreunde“ beschimpft.

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