Miltenberg

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In Miltenberg befindet sich eine der ältesten, noch im originalen Mauerwerk erhaltenen Synagogen Deutschlands und Europas. Die NS-Zeit hat sie vermutlich deshalb unbeschadet überstanden, weil sie die jüdische Gemeinde bereits 1874 an eine Brauerei verkauft hatte. Der alte gotische Bau hatte sich als zu klein erwiesen für die seit Ende des 18. Jahrhunderts wachsende Gemeinde. Diese hatte zudem keine Mittel für eine dringend nötige Restaurierung und Sanierung ihrer mittelalterlichen Synagoge. Überhaupt konnte die jüdische Gemeinde Miltenbergs sie allerdings nur die kürzeste Zeit als Gebetsraum nutzen. Sie hatte den Bau gegen Ende des 13. Jahrhundert errichten lassen, wurde allerdings 1429 enteignet. Damit erlosch wohl ein regelrechtes jüdisches Gemeindeleben, obwohl in den folgenden Jahrhunderten immer wieder Schutzbriefe für einzelne jüdische Familien in Miltenberg belegt sind. Erst 1755 konnte die wieder wachsende und dauerhaft im Ort lebende jüdische Gemeinschaft ihre mittelalterliche Synagoge zurückkaufen und nutzte sie bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Bau hat zwei steinerne Gewölbe, was auf eine gewisse Bedeutung der Gemeinde hinweist. Allerdings war diese wohl nicht sehr groß, worauf die geringe Grundfläche des Baus (knapp 60 m2) hinweist. Über die Einrichtung der mittelalterlichen Synagoge ist lediglich bekannt, dass in der Mitte das erhöhte Vorleserpult stand und sich an der Ostwand ein steinerner Toraschrein befand. Die Spuren des Pults sind verloren gegangen, als die Brauerei das Gebäude im 19. Jahrhundert für ihre Zwecke umbaute. Der Toraschrein fand Verwendung in der neuen Synagoge von 1904 und befindet sich heute im Stadtmuseum Miltenberg. Bis zum 31. März 2010 nutzte die Brauerei die ehemalige Synagoge, die mittlerweile in die übrigen Gebäude stark eingebaut ist und in der sich seit dem 19. Jahrhundert eine Zwischendecke befindet. Eine Untersuchung des Baus in den Jahren 1997/98 ergab, dass noch erstaunlich viel Bausubstanz der mittelalterlichen Synagoge erhalten ist. Gegenwärtig laufen die Beratungen über eine Freilegung und künftige Nutzung des ehemaligen Synagogengebäudes.

Zur Simulation des Raumeindrucks in der mittelalterlichen Synagoge: http://www.dr-zoeller.de/29.html