Schnaittach

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Wo heute das Jüdische Museum Franken eine große Sammlung an Zeugnissen jüdischen Lebens auf dem Lande präsentiert, hatten die Schnaittacher Juden seit Jahrhunderten ihr gemeindliches Zentrum: Erste Nachrichten von Juden in Schnaittach stammen aus dem 15. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert fand das Gemeindeleben über die Ortgrenzen hinaus Beachtung. So nahm etwa der Nürnberger Reformator Andreas Osiander den Schnaittacher Schulmeister Wölfflein für eine Zeit bei sich auf und lernte bei ihm Hebräisch. Im Jahr 1570 wurde der Komplex erbaut, der die Synagoge, das Rabbiner- und das Vorsängerhaus beherbergte. Im Keller befinden sich bis heute die Reste einer Mikwe. Noch älter als dieser Bau ist der Schnaittacher jüdische Friedhof, der erstmals im Jahr 1537 erwähnt wird. 1738 musste der Bau erweitert werden. Bei seinem Umbau zu Museumsräumen im Jahr 1981 haben umfangreiche Grabungen detaillierte Erkenntnisse zur Geschichte des Gebäudekomplexes erbracht: Das erste Gotteshaus aus dem 16. Jahrhundert war wesentlich kleiner als der heute sichtbare Nachfolgebau aus dem 18. Jahrhundert. Gemeinsam haben beide lediglich die West- und die Nordwand. Der massive Ursprungsbau hatte eine Ausdehnung von etwa zehn mal zehn Metern. Die enorme Wanddicke von einem Meter – vielleicht, um Wehrhaftigkeit zu demonstrieren. Auf der westlichen Straßenseite befanden sich zwei Fenster und ein mittiger Eingang, an der Ostseite sprang ein Standerker vor, in dem sich der Toraschrein befand. Wandnischen auf der Nordseite mit Resten von hebräischen Inschriften deuten auf eine Verwendung als Bibliothek hin. Der durch eine massive Mauer abgetrennte südliche Gebäudeteil diente wahrscheinlich als Frauensynagoge. Wie an vielen Orten bedrohte der Dreißigjährige Krieg auch die Schnaittacher jüdische Gemeinde. Trotz eines Schutzbriefs der Ganerben, einer ritterschaftlichen Herrschaft mit dem Herrschaftsgebiet Rothenberg, zu dem auch Schnaittach gehörte, schrumpfte in der gesamten Ganerbenschaft die jüdische Bevölkerung auf zehn Familien zusammen und nahm erst wieder in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu. Versuche der Wittelsbacher, die Juden zu vertreiben, die sich um die strategisch wichtige Herrschaft Rothenberg bemühten, nachdem ihnen im Westfälischen Frieden die Oberpfalz zugesprochen worden war, scheiterten an den Ganerben, die sich bis Ende des 17. Jahrhunderts mit dem Kurfürstentum Bayern die Herrschaft Rothenberg teilten. Nachdem die Herrschaft Rothenberg endgültig in kurbayerischen Besitz übergegangen war, setzte sich die oberpfälzische Regierung in Amberg gegen die Ausweisungsbestrebungen des Kurfürsten Max Emanuel durch, dessen Befehle nicht durchgeführt wurden. Die Juden von Schnaittach und der benachbarten Orte Ottensoos und Hüttenbach erhielten im Lauf des 18. Jahrhunderts wiederholt Schutzbriefe, die ihnen den Verbleib sicherten. 1738 wurde die Schnaittacher Synagoge nach Osten und Süden erweitert auf die heute noch bestehenden Ausmaße. Die alte Ostwand wurde abgebrochen, während die Südwand nun als Raumtrenner zwischen der neu angebauten Fachwerk-Frauensynagoge und der Männersynagoge fungierte.

Bis heute zu sehen sind die separaten Eingänge der beiden Beträume zur Straße hin, die zunächst in je einen kleinen Vorraum mit Waschbecken und dann erst in den Versammlungsraum führten. Beide Räume verbinden drei breite Öffnungen sowie ein verschließbares Guckloch im Osten, durch das verdiente Frauen beim Ausheben der Tora aus dem Schrein und Mütter bei der Beschneidung ihrer Söhne zuschauen konnten. Als die Synagoge im Jahr 1858 umfassend renoviert wurde, kam der neue Almemor direkt vor dem Toraschrein zu stehen. Damit zeigte sich die Schnaittacher Gemeinde als modernen Einflüssen aufgeschlossen, wurde doch diese Anordnung im 19. Jahrhundert in reformorientierten Gemeinden populär, die ihre Synagogeneinrichtung an die von Kirchen anpassten. In stärker traditionellen jüdischen Gemeinden wurde die Polarität zwischen dem zentralen Almemor und dem Toraschrein beibehalten. Heute ist der Synagogenraum selbst der Mittelpunkt der bedeutendsten Sammlung mit Zeugnissen der religiös-jüdischen, aber auch der Alltagskultur auf dem Lande in Süddeutschland.

Zum Jüdischen Museum Franken: http://www.juedisches-museum.org/aktuell/index.html

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