Schwabach

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Bei Restaurierungarbeiten in einem barocken Haus in der Synagogengasse entdeckten Bauarbeiter im Jahr 2000 zufällig ein Wandbild, das Mose mit den Gesetzestafeln in der zeitgenössischen Tracht eines deutschen Juden zeigte. Zusammen mit weiteren Malereien bildete diese Darstellung die Kulisse für eine Besonderheit aus der Blütezeit der Schwabacher jüdischen Gemeinde: Es handelt sich bei dem Fund um Malereien, die zu einer Laubhütte (Sukka) gehörten, die Mose, Sohn des Löw Koppel, noch vor seinem Tod im Jahre 1799 eingerichtet hatte, indem er an der Giebelseite des verputzten Fachwerkhauses ein weiteres Geschoss hinzufügte. Das Haus in der Judenschulgasse (heute: Synagogengasse 10) aus dem Jahr 1726 hatte er 1795 für 1.350 Gulden erworben. Bei der weiteren Untersuchung des Baus wurde deutlich, dass Mose hier eine Laubhütte ausmalen ließ: Während an den Wänden Mose mit den Gesetzestafeln, die Bindung des Isaak und ein Mann mit Schabbesdeckel inmitten von Rankenornamenten und Tierdarstellungen auffallen, kamen unter dem Deckenputz des Raumes Kassettenfelder zu Tage, die sich während des Laubhüttenfestes herausnehmen ließen, sodass der rituell erforderliche Blick in den offenen Himmel gewährleistet war. Während des Laubhüttenfestes wohnen und feiern gesetzestreue Juden in einer solchen, an ein Provisorium erinnernden Behausung, um die Wanderung der Israeliten durch die Wüste zu vergegenwärtigen, die dabei in provisorischen Unterkünften leben mussten. Dazu gab es zwei mögliche Verfahren: Entweder es wurden Dachziegel entfernt oder man klappte Teile der Dachfläche mit Hilfe eines Seilzugs nach oben (so auch in Fürth). Als einer der ältesten erhaltenen, in Häusern eingebauten Laubhütten, die in Bayern bisher in situ entdeckt werden konnten, kommt diesem Fund in Schwabach besondere kunst- und kulturhistorische Bedeutung zu.

Die jüdische Gemeinde konnte in Schwabach auf eine lange, wechselvolle Geschichte zurückschauen, die bis ins Mittelalter reichte und bis zum Dreißigjährigen Krieg zum Spielball der wechselnden Interessen der jeweiligen Herrscher wurde. Von einer Synagoge ist bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Rede, allerdings ohne dass ihr Standort und ihre bauliche Gestalt bekannt wären. Zwischen der Mitte des 16. und des 17. Jahrhunderts konnten Juden sich nicht dauerhaft in Schwabach niederlassen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden zum Wiederaufbau neben Hugenotten auch gezielt Juden angesiedelt. Parallel zum Aufstieg der Stadt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts blühte auch das jüdische Leben in Schwabach auf. Zahlreiche Juden kamen aus mittelfränkischen Orten, aber belegt ist auch die Zuwanderung einiger Wiener Juden nach ihrer Ausweisung im Jahr 1669/70. Seit 1664 werden mit Jakob Grunam für Schwabach zuständige Landesrabbiner namentlich fassbar. Die jüdische Gemeinde hatte schon vor 1668 versucht, eine Synagoge zu bauen, erreichte ihr Ziel allerdings erst im Jahr 1685 und konnte auf dem Grundstück der heutigen Synagogengasse 6 eine Synagoge mit Vorhof bauen – der im Jahr 1800 ein Neubau folgte – und auf der gegenüberliegenden Seite ein Haus für den Rabbiner (heute Synagogengasse 7), in dessen Keller sich vermutlich das Ritualbad befand. Seit 1709 befand sich der Sitz des Markgräflich-Ansbachischen Landesrabbinats dauerhaft in Schwabach. Heute hat der Förderverein „Synagogengasse 6 e.V.“ die Restaurierung der Synagoge in den Jahren die 2002/2003 in die Wege geleitet, die als Seminar- und Veranstaltungsraum der Städtischen Volkshochschule genutzt wird. Seit 2008 gehört das Haus Synagogengasse 10 mit der Laubhütte neben Fürth und Schnaittach als dritter Ort zum Jüdischen Museum Franken. Dort soll ein Museum eingerichtet werden, das der jüdischen Geschichte in Schwabach gewidmet ist.

http://www.juedisches-museum.org

http://www.schwabach.de/touris/sehenswert/jued/00259.html

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