Georgensgmünd

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Die gut erhaltene barocke Synagoge von Georgensgmünd mit ihrem angebauten Schulhaus und zwei Mikwen gilt als Kleinod unter den jüdischen Gotteshäusern. Viele Jahre waren einige Besonderheiten im Inneren verborgen, bis sich durch ihre Erforschung und Restaurierung wieder ans Tageslicht kamen. So wurde im April 1987 im Dach der Synagoge in einem Hohlraum zwischen Holzgewölbe und Dachstuhl eine Genisa entdeckt, in der unbrauchbar gewordene religiöse Bücher, Gebetsriemen, Gebetsmäntel und andere Gegenstände geborgen waren. Die wertvollen Fundstücke, die fotografisch dokumentiert und wissenschaftlich untersucht wurden, befinden sich heute im Gemeindearchiv von Georgensgmünd. Im Jahr 1988 erwarb die Gemeinde Georgensgmünd die Synagoge und ließ sie zwischen 1990 und 1995 umfassend sanieren. Dabei wurde unter anderem die Wandmalereien in der Fassung von 1914 rekonstruiert. Teilsweise freigelegt wurde dabei auch barocke Malerei, die als eine der wenigen in Bayern erhaltenen Dekorationen ist, die an Ort und Stelle Einblicke in die jüdische Bild- und Volkskunst des 18. Jahrhunderts geben. Die Untersuchungen haben ergeben, dass sich die erste Bemalung des Betsaals auf den aus Galizien stammenden Künstler Elieser Sussmann zurückführen lässt, auf den etwa die Gestaltung der Synagoge in Bechhofen zurückgeht. Vermutlich weil Sussmann in Georgensgmünd auf Putz und nicht auf Holz malte, sind Schrift und Ornamente hier nicht so umfangreich wie etwa in Bechhofen. Schon Anfang des 20. Jahhrunderts erwies sich die Synagoge in Georgensgmünd als baufällig und „eines Gotteshauses direkt unwürdig“. Die geschrumpfte Kultusgemeinde konnte die Mittel für die fällige Restaurierung nicht aufbringen, sodass sich die Baumaßnahmen bis ins Jahr 1914 verzögerten. Die Ortsgemeinde gewährte der leistungsschwachen israelitischen Kultusgemeinde dabei einen Zuschuss von 200 Mark bei Gesamtkosten von 3000 Mark. Bis Ende 1938 wurden die letzten alteingesessenen jüdischen Familien von den Nationalsozialisten aus Georgensgmünd vertrieben. Zuvor hatte Kultusvorstand Albert Schloß die Synagoge im August 1938 für 3000 RM an einen Georgensgmünder Bäckermeister verkauft, die bis 1946 dem Fränkischen Überlandwerk als Lager überlassen wurde. Das bewahrte zwar die Synagoge vor der Zerstörung beim Novemberpogrom, nicht aber die Ritualien, die teilweise nach dem Verkauf nach München gebracht und dort am 9./10. November verbrannt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Synagoge für kurze Zeit wieder als gottesdienstlicher Versammlungsort genutzt, nachdem sich aus bis zu 30 Flüchtlingen und Überlebenden der Schoah vorübergehend eine jüdische Gemeinde gebildet hatte. Ab 1954 war geplant, die ehemalige Synagoge als Sporthalle zu verwenden, sodass die liturgische Einrichtung von 1946 wieder entfernt wurde. Der danach eingebaute Turnhallenboden überdeckte bis zur Sanierung in den 1990er Jahren die Solnhofener Platten aus der Barockzeit. Seit dem Jahr 2000 erinnert ein Gedenkstein vor der Synagoge an die Namen der Juden aus dem Landkreis Roth, die während der NS-Zeit ermordet wurden. Im Jahr 2009 lässt aufsteigende Feuchtigkeit die Farbe von den Wänden abblättern, sodass die Synagoge ebenso wie die dringend instandsetzungsbedürftige Kellermikwe wieder restauriert werden muss.

http://www.landratsamt-roth.de/desktopdefault.aspx/tabid-12/84_read-1634